Freude der Kinderjahre

Schubert, Franz

Freude, die in frühem Lenze

Meinem Haupte Blumen wand,

Sieh, noch duften deine Kränze,

Noch geh' ich an deiner Hand.

Selbst der Kindheit Knospen blühen

Auf in meiner Fantasie;

Und mit frischem Reize glühen

Noch in meinem Herbste sie.

Früh schon kannt' ich dich! du wehtest

Froh bei jedem Spiel um mich,

Sprangst in meinem Balle, drehtest

Leicht in meinem Kreisel dich;

Liefst mit mir durch Grab und Hecken

Flüchtig Schmetterlingen nach,

Rittest mit auf bunten Stecken,

Wirbeltest im Trommelschlag.

Stürmte mit beeisten Locken

Auch der Winter wild daher:

O in seines Schnees Flocken

Sah ich nur der Spiele mehr:

Du, du selber, sprangest mitten

Durch gethürmten Schnee mir vor,

Saßest mit im kleinen Schlitten,

Oder spanntest dich davor.

Kamen auch zuweilen Sorgen:

Kindersorgen sind nicht groß!

Froh hüpft' ich am andern Morgen,

Schaukelte die Sorgen los;

Kletterte dir nach auf Bäume,

Wälzte müd' im Grase mich;

Und entschlief ich: süße Träume

Zeigten mir im Bilde dich!

Selig flohen Tag' und Jahre

So an deiner Hand mir hin! -

Bleicht der Herbst auch meine Haare;

Doch bleibt mir dein froher Sinn.

Kommt mein Winter; unvergessen

Sei auch dann dein Freund von dir;

Noch um meines Grabs Cypressen

Schlinge deine Rosen mir!