Freundschaft und Wein
Schubert, Franz
Ihr, Freunde, und du, goldner Wein!
Versüßet mir das Leben;
Ohn' euch Beglücker wäre fein
Ich stets in Angst und Beben.
Chor.
Ohne Freunde, ohne Wein
Möcht' ich nicht im Leben seyn!
Wie Manchen seh' ich nach dem Kuß
Des spröden Liebchens streben;
Doch folget nicht auch Überdruß
Dem Wechsel-Küssegeben?
Chor.
Ohne Freunde, ohne Wein
Mag ich nicht bey Mädchen seyn!
Wer Tausende in Kisten schließt,
Nach mehreren noch trachtet,
Der Freunde Noth, und sich vergißt,
Sey reich, von mir verachtet!
Chor.
Ohne Freunde, ohne Wein
Mag ein Andrer reicher seyn!
Ohn' allen Freund, was ist der Held?
Was sind des Reichs Magnaten?
Was wär' ein Herr der ganzen Welt?
Sind alle schlecht berathen!
Chor.
Ohne Freunde, ohne Wein
Möcht' ich selbst kein Kaiser seyn!
Und soll es in der Zukunft Port
Der Freuden höchste geben:
So winke mir schon an der Pfort
Ein Freund und Saft der Reben!
Chor.
Sonst will ohne Freund und Wein,
Ich selbst nicht im Himmel seyn.