Fülle der Liebe

Schubert, Franz

Ein sehnend Streben

Theilt mir das Herz,

Bis alles Leben

Sich lös't in Schmerz.

In Leid erwachte

Der junge Sinn,

Und Liebe brachte

Zum Ziel mich hin.

Ihr edle Flammen,

Wecktet mich auf;

Es ging mitsammen

Zu Gott der Lauf.

Ein Feuer war es,

Das alles treibt;

Ein starkes, klares,

Was ewig bleibt.

Was wir anstrebten,

War treu gemeynt;

Was wir durchlebten

Bleibt tief vereint.

Da trat ein Scheiden

Mir in die Brust;

Das tiefe Leiden

Der Liebes Lust.

Im Seelengrunde

Wohnt mir Ein Bild;

Die Todeswunde

Ward nie gestillt.

Viel tausend Thränen

Flossen hinab;

Ein ewig Sehnen

Zu Ihr ins Grab.

In Liebes Wogen

Wallet der Geist,

Bis fortgezogen,

Die Brust zerreißt.

Ein Stern erschien mir

Vom Paradies;

Und dahin flieh'n wir

Vereint gewiß.

Hier noch befeuchtet

Der Blick sich lind,

Wenn mich umleuchtet

Dieß Himmelskind.

Ein Zauber waltet

Jetzt über mich,

Und der gestaltet

Dieß all nach sich,

Als ob uns vermähle

Geistesgewalt,

Wo Seele in Seele

Hinüberwallt.

Ob auch zerspalten

Mir ist das Herz;

Seelig doch halten

Will ich den Schmerz.