Gebet

Schubert, Franz

Du Urquell aller Güte,

Du Urquell aller Macht,

Lindhauchend aus der Blüte,

Hochdonnernd aus der Schlacht,

Allwärts ist Dir bereitet

Ein Tempel und ein Fest,

Allwärts von Dir geleitet,

Wer gern sich leiten läßt.

Du siehst in dies mein Herze,

Kennst seine Lust und Noth:

Mild winkt der Heimath Kerze,

Kühn ruft glorwürdiger Tod;

Mit mir in eins zusammen

Schlingt hier sich Kindleins Huld,

Und draußen leuchten Flammen,

Abbrennend Schmach und Schuld.

Bereit bin ich zu sterben

Im Kampf, der Ahnen werth,

Nur sichre vor Verderben

Mir Weib und Kind am Heerd.

Dein ist in mir die Liebe,

Die diesen beiden quillt,

Dein auch sind muth'ge Triebe,

Davon die Brust mir schwillt.

Kann es sich mild gestalten,

So laß es, Herr, geschehn,

Den Frieden fürder walten,

Und Sitt' und Ruh' bestehn.

Wo nicht, so gieb zum Werke

Uns Licht in Sturmesnacht;

Du ew'ge Lieb' und Stärke,

Dein Wollen sei vollbracht.

Wohin Du mich willst haben,

Mein Herr, ich steh' bereit,

Zu frommen Liebesgaben,

Wie auch zum wackern Streit.

Dein Bot' in Schlacht und Reise,

Dein Bot' im stillen Haus,

Ruh' ich auf alle Weise,

Doch einst im Himmel aus.