Gott in der Natur
Schubert, Franz
Groß ist der Herr! Die Himmel ohne Zahl
Sind Säle seiner Burg;
Sein Wagen Sturm und donnernde Gewölk',
Und Blitze sein Gespann.
Die Morgenröth' ist nur ein Wiederschein
Von seines Kleides Saum;
Und gegen seinen Glanz ist Dämmerung
Der Sonne flammend Licht.
Er sieht mit gnäd'gem Blick zur Erd' herab:
Sie grünet, blüht und lacht.
Er schilt: es fähret Feur von Felsen auf,
Und Meer und Himmel bebt.
Lobt den gewaltigen, den gnäd'gen Herrn,
Ihr Lichter seiner Burg!
Ihr Sonnenheere! flammt zu seinem Ruhm!
Ihr Erden, singt sein Lob!
Erhebet ihn, ihr Meere! braust sein Lob!
Ihr Flüsse, rauschet es!
Es neige sich der Zedern hohes Haupt
Und jeder Wald vor ihm!
Ihr Löwen, brüllt zu seiner Ehr' im Hain!
Singt ihm, ihr Vögel, singt!
Seyd sein Altar, ihr Felsen, die er traf,
Eu'r Dampf sey Weihrauch ihm!
Der Wiederhall lob' ihn! und die Natur
Sing' ihm ein froh Koncert!
Und du, der Erden Herr, o Mensch, zerfleuß
In Harmonieen ganz!
Dich hat er, mehr als alles sonst, beglückt:
Er gab dir einen Geist,
Der durch den Bau des Ganzen dringt, und kennt
Die Räder der Natur.
Erheb' ihn hoch, zu
deiner
Seligkeit;
Er braucht kein Lob zum Glück.
Die niedern Neigungen und Laster fliehn,
Wenn du zu ihm dich schwingst.
Die Sonne steige nie aus rother Flut,
Und sinke nie darein,
Daß du nicht deine Stimm' vereinigst mit
Der Stimme der Natur.
Lob' ihn im Regen und in dürrer Zeit,
Im Sonnenschein und Sturm!
Wanns schneyt, wann Frost aus Wasser Brücken baut,
Und wann die Erde grünt.
In Überschwemmungen, in Krieg und Pest
Trau' ihm, und sing' ihm Lob!
Er sorgt für dich; denn er erschuf zum
Glück
Das menschliche Geschlecht.
Und o! wie liebreich sorgt er auch für mich!
Statt Gold und Ruhm giebt er
Vermögen mir, die Wahrheit einzusehn,
Und Freund' und Saitenspiel.
Erhalte mir, o Herr! was du verliehst,
Mehr brauch' ich nicht zum Glück.
Durch heil'gen Schau'r will ich, ohnmächtig sonst,
Dich preisen ewiglich!
In finstern Wäldern will ich mich allein
Mit dir beschäftigen.
Und seufzen laut, und nach dem Himmel sehn,
Der durch die Zweige blickt;
Und irren an des Meers Gestad', und dich
In jeder Woge sehn;
Und hören dich im Sturm, bewundern in
Der Au Tapeten dich!
Auf Felsen soll mein taumelnd Auge durch
Zerrißne Wolken sehn,
Und suchen dich den Tag, bis mich die Nacht
In heilge Träume wiegt.