Hektors Abschied

Schubert, Franz

Andromache

Will sich Hektor ewig von mir wenden,

Wo Achill mit den unnahbar'n Händen

Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt?

Wer wird künftig deinen Kleinen lehren

Speere werfen und die Götter ehren,

Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?

Hektor

Theures Weib gebiete deinen Thränen,

Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,

Diese Arme schützen Pergamus.

Kämpfend für den heil'gen Herd der Götter

Fall ich, und des Vaterlandes Retter

Steig' ich nieder zu dem styg'schen Fluß.

Andromache

Nimmer lausch' ich deiner Waffen Schalle,

Müßig liegt dein Eisen in der Halle,

Priams großer Heldenstamm verdirbt.

Du wirst hingeh'n wo kein Tag mehr scheinet,

Der Cocytus durch die Wüsten weinet,

Deine Liebe in dem Lethe stirbt.

Hektor

All mein Sehnen will ich, all mein Denken,

In des Lethe stillen Strom versenken,

Aber meine Liebe nicht.

Horch! der Wilde tobt schon an den Mauern,

Gürte mir das Schwerdt um, laß das Trauern,

Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.