Huldigung

Schubert, Franz

Gar verloren, ganz versunken

In dein Anschaun, Lieblinginn,

Wonnebebend, liebetrunken,

Schwingt zu dir der Geist sich hin.

Nichts vermag ich zu beginnen,

Nichts zu denken, dichten, sinnen.

Nichts ist, was das Herz mir füllt,

Huldinn, als dein holdes Bild.

Süsse, Reine, Makellose,

Edle, Theure, Treffliche,

Ungeschminkte rothe Rose,

Unversehrte Lilie,

Anmuthreiche Anemone,

Aller Schönen Preis und Krone,

Weißt du auch, Gebieterinn,

Wie ich ganz dein eigen bin?

Huldinn, dir hab'ich ergeben

Seel' und Leib und Herz und Sinn.

Ohne dich wär Tod das Leben,

Und mit dir der Tod Gewinn.

Süsser ist es, dir zu frohnen,

Als zu tragen goldne Kronen.

Edler, deinem Dienst sich weihn,

Als des Erdballs Herrscher seyn.

Wenn ich, Traute, dich erblicke,

Wird die Seele mir so klar.

Wenn ich dir die Hände drücke,

Zuckt's in mir so wunderbar.

Des Olympos hohe Zecher

Labt nicht so der Nektarbecher

Der Ambrosia Genuß,

Als mich labt dein keuscher Kuß.

Mich umbeben süsse Schauer,

Kraft und Athem mangelt mir,

Freude schüttelt mich und Trauer,

Bange Scheu und Gluthbegier,

Wann ich mich dem Heiligthume

Deines Kelches, edle Blume,

Zitternd nahe, Nelkenduft

Mich umweht und Ambraluft.

Könnt' ich, ach, dich nur umschmiegen

Einen langen Sommertag,

Dir am offnen Busen liegen,

Lauschend deines Herzens Schlag!

Könnt' ich, ach, dich nur umflechten

In den längsten Winternächten,

Eingewiegt in seidnen Traum,

Auf des Busens Schwanenflaum.

Könnt' ich, ach, mein ganzes Leben

Einzig dir, Ellwina, weihn!

Dürft'ich handeln, dulden, streben,

Für dich und mit dir allein!

Wahrlich, dann wär Daseyn Wonne!

Und wann meines Lebens Sonne

Unterging' in Finsterniß,

O, so wär auch Tod mir süß.

Sollte Dunkel Den umweben,

Dem Ellwinens Auge glänzt?

Sollt' ich vor der Urne beben,

Die Ellwina weinend kränzt?

Sollt' ich nicht, du kühle Kammer,

In dir schlummern sonder Jammer?

Horch! Ellwina, wehmuthvoll

Seufzt: mein Liebling, schlummre wohl!

Und wie bald ist nicht verschwunden

Jenes Schlummers kurze Nacht!

Horch, es jubelt: Ueberwunden!

Schau, der ewge Tag erwacht!

Dann du Theure, dann du Eine,

Bist du ganz und ewig Meine!

Trennung ist das Loos der Zeit!

Ewig einigt Ewigkeit!