Idens Nachtgesang

Schubert, Franz

Vernimm es, Nacht, was Ida dir vertrauet,

Die satt des Tags, in deine Arme flieh't.

Ihr Sterne, die ihr hold und liebend auf mich schauet,

Vernehmt süßlauschend Idens Lied.

Den ich geahnt in liebvollen Stunden,

Dem sehnsuchtkrank mein Herz entgegen schlug,

O Nacht, o Sterne, hörts, ich habe ihn gefunden,

Deß Bild ich längst im Busen trug.

Um seine Wiege lächelten die Musen,

Urania kos't'ihm auf dem keuschen Schooß,

Die Schönheit tränket' ihn an ihrem Nektarbusen,

Und jede Charis zog ihn groß.

In seinen Augen blitzt promethisch Feuer.

Gerecht entbrennt sein Herz in Lieb und Zorn.

Es lüpft dem Schmachtenden die Wahrheit ihren Schleyer;

Ihm sprudelt Phöbus heil'ger Born.

Freund, du bist mein, nicht für die kurze Reise,

Die durch das Labyrinth des Lebens führt;

Sieh, sieh die Sphären dort, die ewig schönen Kreise,

Wo fester unser Band sich schnürt.

Freund, ich bin dein, nicht für den Sand der Zeiten,

Der schnellversiegend Chronos Uhr entfleußt,

Dein für den Riesenstrom heilvoller Ewigkeiten,

Der aus des Ew'gen Urne scheußt.