Julius an Theone

Schubert, Franz

Nimmer, nimmer darf ich dir gestehen,

Was beim ersten Drucke deiner Hand,

Süße Zauberin, mein Herz empfand!

Meiner Einsamkeit verborgnes Flehen,

Meine Seufzer wird der Sturm verwehen,

Meine Thränen werden ungesehen

Deinem Bilde rinnen, bis die Gruft

Mich in ihr verschwiegnes Dunkel ruft.

Ach! du schautest mir so unbefangen,

So voll Engelunschuld ins Gesicht,

Wähntest den Triumph der Schönheit nicht!

O Theone! Sahst du nicht den bangen

Blick der Lieb' an deinen Blicken hangen?

Schimmerte die Röthe meiner Wangen

Dir nicht Ahnung der verlornen Ruh

Meines hoffnungslosen Herzens zu?

Daß uns Meere doch geschieden hätten

Nach dem ersten leisen Druck der Hand!

Schaudernd wank' ich nun am jähen Rand

Eines Abgrunds, wo auf Dornenbetten,

Thränenlos, mit diamantnen Ketten,

Die Verzweiflung lauscht! Ha! mich zu retten,

Holde Feindin meines Friedens, beut

Mir die Schale der Vergessenheit!