Lieb Minna

Schubert, Franz

"Schwüler Hauch weht mir herüber,

Welkt die Blum' an meiner Brust.

Ach, wo weilst du, Wilhelm, Lieber?

Meiner Seele süße Lust!

Ewig Weinen,

Nie Erscheinen!

Schläfst wohl schon im kühlen Schooße,

Denkst auch mein noch unterm Moose?"

Minna weinet, es verflogen

Mählig Wang- und Lippenroth.

Wilhelm war hinausgezogen

Mit den Reihn zum Schlachtentod.

Von der Stunde

Keine Kunde!

Schläft wohl längst im kühlen Schooße,

Denkt dein Minna unterm Moose.

Liebchen sitzt im stillen Harme,

Sieht die gold'nen Sternlein ziehn,

Und der Mond schaut auf die Arme

Mitleidsvollen Blickes hin.

Horch, da wehen

Aus den Höhen

Abendlüftchen ihr herüber;

Dort am Felsen harrt dein Lieber.

Minna eilt im Mondenflimmer

Bleich und ahnend durch die Flur,

Findet ihren Wilhelm nimmer,

Findet seinen Hügel nur.

"Bin bald drüben

Bei dir Lieben,

Sagst mir aus dem kühlen Schooße:

Denk' dein, Minna, unterm Moose."

Und viel tausend Blümchen steigen

Freundlich aus dem Grab herauf.

Minna kennt die Liebeszeugen,

Bettet sich ein Plätzchen drauf.

"Bin gleich drüben

Bei dir Lieben!"

Legt sich auf die Blümchen nieder

Findet ihren Wilhelm wieder.