Liebe säuseln die Blätter

Schubert, Franz

Sweet lovers love the spring.

Shakspeare.

Röther färbt sich der Himmel;

Aus der goldenen Wolke

Thaun der Mai und die Liebe

Segen auf die enteiste Flur.

Sein allmächtiges Lächeln

Giebt dem Strauche die Blätter,

Giebt dem Baume die Knospen,

Und dem Haine den Lenzgesang.

Seinen Tritten entwimmeln

Grüne duftende Kräuter,

Tausendfarbige Blumen,

Purpur, Silber und lichtes Gold.

Seine Tochter, die Liebe,

Baut dem Vogel die Nester,

Paaret Blumen und Blüten,

Führt dem Manne die Männin zu.

Liebe säuseln die Blätter,

Liebe duften die Blüten,

Liebe rieselt die Quelle,

Liebe flötet die Nachtigall.

Lauben klingen von Gläsern,

Lauben rauschen von Küssen

Und von frohen Gesprächen,

Und vom Lächeln der Liebenden.

Ringsum grünen die Hecken,

Ringsum blühen die Bäume,

Ringsum zwitschern die Vögel,

Ringsum summet das Bienenvolk.

Roth und Grün ist die Wiese,

Blau und golden der Äther,

Hell und silbern das Bächlein,

Kühl und schattig der Buchenwald.

Heerden klingeln im Thale,

Lämmer blöcken am Bache,

Und die Flöte des Hirten

Weckt den schlummernden Abendhain.

Nachtigallen, ihr wirbelt

Auf das Lager des Jünglings,

Welches Maien umduften,

Goldne Träume von Kuß und Spiel!

[Träumend schaut er das Mägdlein

In hellgrüner Umschattung,

Fügt des Beetes Aurikel

In ihr bräunliches Lockenhaar;

Spielt am zarten Geringel,

Blickt ihr kühner ins Antliz

Ach, und waget den Brautkuß

Auf den rosigen warmen Mund.]