Liedesend

Schubert, Franz

Auf seinem goldnen Throne

Der graue König sitzt -

Er starret in die Sonne,

Die roth im Westen blitzt.

Der Sänger rührt die Harfe,

Sie rauschet Siegessang;

Der Ernst jedoch, der scharfe,

Er trotzt dem vollen Klang.

Nun stimmt er süße Weisen,

An's Herz sich klammernd an:

Ob er ihn nicht mit leisen

Versuchen mildern kann.

Vergeblich ist sein Mühen,

Erschöpft des Liedes Reich -

Und auf der Stirne ziehen

Die Sorgen wettergleich.

Der Barde, tief erbittert,

Schlägt seine Harf' entzwey,

Und durch die Halle zittert

Der Silbersaiten Schrey.

Doch wie auch Alle beben,

Der Herrscher zürnet nicht;

Der Gnade Strahlen schweben

Auf seinem Angesicht.

»Du wolle mich nicht zeihen

Der Unempfindlichkeit:

In lang verblühten Mayen

Wie hast du mich erfreut!

Wie jede Lust gesteigert,

Die aus der Urne fiel!

Was mir ein Gott verweigert,

Erstattete dein Spiel.

Vom kalten Herzen gleitet

Nun Liedeszauber ab;

Und immer näher schreitet

Vergänglichkeit und Grab.«