Linde Weste wehen

Schubert, Franz

Er.

Zu dem Bärgestirne

Floh von uns der Winter,

In des Pardels Hülle,

Mit bereiftem Haar;

Und vom blauen Himmel,

Blau und hell und heiter,

[Schönste! wie dein Auge,

Schwebt] der junge Lenz.

Um die goldnen Locken

Glänzet seines Kranzes

Blumenregenbogen

In der Sonne Strahl;

Schimmert in des Abends

Bräutlichem Erröthen,

Wallt und wallt, und träufelt

Süßen Labethau.

Sie.

Linde Weste wehen,

Athmen Balsamdüfte

[Von Jasmingesträuchen,

Und von Veilchenaun].

Auf des Baches Spiegel

Schwebt des Mandelbaumes

SYSTEMBild, und mahlt die Welle

Mit des Purpurs Schein.

Auf den Blüthenzweigen

Hüpft und regnet Rosen

Nieder, hüpft und wieget

Sich die Nachtigall.

Singe, liebe, kleine

Nachtigall! Es lauschen

Deinem Lenzgesange

Braut und Bräutigam.

Er.

Alles, o Geliebte,

Alles um uns her ist

Leben, alles Wonne,

Alles Blüthenlenz!

Alles, o Geliebte,

Wäre Frost und Winter,

Wäre Tod und Trauer,

Liebtest du mich nicht!

Sie.

Nun, Geliebter, blühet

Unser Lenz der Liebe;

Nun bedrohn sie keine

Winterstürme mehr!

Diesem holden Lenze

Weichen alle Blumen,

Alles Westgesäusel,

Aller Vögel Chor!

Er.

Mädchen, wie des Baches

Welle, wallt dein Busen:

Wie des Thaues Perle,

Glänzt dein Himmelsblick!

Deine Locke duftet

Blumen; Weste haucht dein

Odem; deine Stimm' ist

Nachtigallgesang!