Loda's Gespenst

Schubert, Franz

Der bleiche und kalte Mond, erhob sich in Osten.

Der Schlaf stieg auf die Jünglinge nieder!

ihre blauen Helme schimmern zum Strahl;

das sterbende Feuer vergeht.

Der Schlaf aber ruhte nicht auf dem König:

er hob sich mitten in seinen Waffen,

und stieg langsam den Hügel hinauf,

die Flamme des Thurms von Sarno zu sehn.

Die Flamme war düster und fern;

der Mond verbarg in Osten sein rothes Gesicht;

es stieg ein Windstoß vom Hügel herab,

auf seinen Schwingen war Lodas Gespenst.

Es kam zu seiner Heimat, umringt mit seinen Schrecken;

und schüttelte seinen düstern Speer.

In seinem dunkeln Gesicht glühn seine Augen wie Flammen;

seine Stimme gleicht entferntem Donner.

Fingal stieß seinen Speer in die Nacht,

und hob seine mächtige Stimme.

Zieh dich zurück du Nachtsohn:

ruf deine Winde und fleuch!

Warum erscheinst du, vor mir,

mit deinen schattigten Waffen?

Fürcht ich deine düstere Bildung,

du Geist des leidigen Loda?

Schwach ist dein Schild von Wolken:

kraftlos das Luftbild, dein Schwert;

Der Windstoß rollt sie zusammen;

und du bist selber verloren;

fleuch von meinen Augen, du Nachtsohn!

ruf deine Winde und fleuch!

Mit hohler Stimme versetzte der Geist,

willst du aus meiner Heimat mich treiben?

Vor mir beugt sich das Volk.

Ich dreh die Schlacht im Felde der Tapfern.

Auf Völker werf ich mein Aug, und sie verschwinden:

mein Odem verbreitet den Tod.

Auf den Rücken der Winde schreit ich voran:

vor meinem Gesichte brausen Orkane.

Aber mein Sitz ist ruhig über den Wolken;

angenehm die Gefilde meiner Ruh.

Bewohn deine angenehmen Gefilde, sagte der König:

denk nicht an Comhals Erzeugten.

Steigen meine Schritte aus meinen Hügeln

in deine friedliche Ebne hinauf?

Begegne ich dir mit einem Speer,

auf deiner Wolke, du Geist des leidigen Loda?

Warum runzelst du denn deine Stirn auf mich?

Warum schüttelst du deinen luftigen Speer?

Du runzelst deine Stirn vergebens:

nie floh ich vor den Mächtigen im Krieg.

Und sollen die Söhne des Winds,

Den König von Morven erschrecken?

Nein; er kennt die Schwäche ihrer Waffen!

Fleuch zu deinem Land, versetzte die Bildung:

Faß die Winde, und fleuch!

Ich halt die Winde in der Höhle meiner Hand:

ich bestimm den Lauf des Sturms.

Der König von Sora ist mein Sohn;

er neigt sich vor dem Stein meiner Kraft.

Sein Heer umringt Carric-Thura;

und er wird siegen!

Fleuch zu deinem Land, Erzeugter von Comhal,

oder spüre meine flammende Wuth!

Er hob seinen schattigten Speer in die Höhe!

er neigte vorwärts seine schreckbare Länge.

Fingal gieng ihm entgegen, und [zückte sein Schwert;

die Klinge des dunkelbraunen Luno].

Der blitzende Pfad des Stahls durchdrang den düstern Geist.

Die Bildung zerfloß, gestaltlos, in Luft,

wie eine Säule von Rauch,

welche der Stab des Jünglings berührt,

wie er aus der sterbenden Schmiede aufsteigt.

Laut schrie Lodas Gespenst, als es,

in sich selber gerollt, auf dem Winde sich hob.

Inistore bebte beym Klang.

Auf dem Abgrund hörtens die Wellen.

Sie standen, vor Schrecken, in der Mitte ihres Laufs!

die Freunde von Fingal sprangen plötzlich empor,

Sie griffen ihre gewichtigen Speere,

Sie mißten den König:

zornig fuhren sie auf;

All ihre Waffen erschollen!

Der Mond rückte in Osten voran.

Fingal kehrte im Klang seiner Waffen zurück.

Groß war der Jünglinge Freude,

ihre Seelen ruhig, wie das Meer nach dem Sturm.

Ullin hob den Freudengesang.

Die Hügel Inistores frolockten.

Hoch stieg die Flamme der Eiche;

Heldengeschichten wurden erzählt.