Nachtgesang im Walde
Schubert, Franz
Sey uns stets gegrüßt, o Nacht,
Aber doppelt hier im Wald,
Wo dein Aug verstohlner lacht,
Wo dein Fußtritt leiser hallt!
Auf der Blätter Laubpokale
Gießest du dein Silber aus,
Hängst den Mond mit mildem Strahle
Uns als Lamp' in's Blätterhaus.
Säuselnde Lüftchen
Sind deine Reden;
Spinnende Strahlen
Sind deine Fäden,
Was dein Mund nur beschwichtigend traf,
Senkt die Augen und sinket in Schlaf!
Und doch, - es ist zum Schlafen zu schön,
Drum auf und weckt mit Hörnergetön,
Mit heller Klänge Wellenschlag,
Was früh betäubt im Schlummer lag!
Es regt in den Lauben
Des Waldes sich schon;
Die Vöglein sie glauben,
Die Nacht sey entflohn.
Die wandernden Rehe
Verlieren sich zag;
Sie wähnen, es gehe
Schon bald an den Tag;
[Vom Quell her erschallt es,
Als wär' er erwacht;
Die Wipfel des Waldes
Erbrausen mit Macht;]
Und rufen wir im Sange:
Die Nacht ist im Walde daheim,
So ruft das Echo lange:
Sie ist im Wald daheim!
Drum sey uns, doppelt hier im Wald
Gegrüßt, o stille Nacht;
Wo Alles, was dich schön uns mahlt,
Uns noch weit schöner lacht.