Pflügerlied
Schubert, Franz
Arbeitsam und wacker,
Pflügen wir den Acker,
Singend, auf und ab.
Sorgsam trennen wollen
Wir die lockern Schollen,
Unsrer Saaten Grab.
Auf und abwärts ziehend
Furchen wir, stets fliehend
Das erreichte Ziel.
Wühl', o Pflugschaar, wühle;
Aussen drückt die Schwüle
Tief im Grund ists kühl.
Neigt den Blick zur Erde,
Lieb und heimlich werde
Uns ihr dunkler Schooß;
Hier ist doch kein Bleiben;
Ausgesät zerstäuben
Ist auch unser Loos.
Säet, froh im Hoffen;
Gräber harren offen,
Fluren sind bebaut;
Deckt mit Egg' und Spaten
Die versenkten Saaten,
Und dann: Gott vertraut!
Gottes Sonne leuchtet;
Lauer Regen feuchtet
Das entkeimte Grün!
Flock', o Schnee, und strecke
Deine Silberdecke
Schirmend drüber hin!
Erndten werden wanken,
Wo nur Körner sanken;
Mutter Erd' ist treu.
Nichts wird hier vernichtet,
Und Verwesung sichtet
Nur vom Keim' die Spreu.
Die vor uns entschliefen,
Schlummern in die Tiefen
Ihrer Gruft gesät;
Länger wird es säumen,
Bis die Gräber keimen,
Gottes Saat ersteht!
Wer noch trostlos trauret,
Glaub' es, ewig dauret
Nicht der Aussaat Zeit.
Aus enthülster Schaale
Keimt im Todesthale
Frucht der Ewigkeit!