Phidile
Franz Peter Schubert
Ich war erst sechszehn
Sommer alt,
Unschuldig und nichts weiter,
Und kannte nichts als unsern Wald,
Als Blumen, Gras und Kräuter.
Da kam ein fremder Jüngling her;
Ich hatt' ihn nicht verschrieben,
Und wußte nicht wo hin noch her
Der kam und sprach von Lieben.
Er hatte schönes langes Haar
Um seinen Nacken wehen;
Und einen Nacken, als das
war,
Hab ich noch nie gesehen.
Sein Auge, himmelblau und klar!
Schien freundlich was zu flehen;
So blau und freundlich, als das war,
Hab ich noch kein's gesehen.
Und sein Gesicht, wie
Milch und Blut!
Ich hab's nie so gesehen;
Auch, was er sagte, war sehr gut,
Nur konnt' ichs nicht verstehen.
Er gieng mir allenthalben nach,
Und drückte mir die Hände,
Und sagte immer O und Ach,
Und küßte sie behende.
Ich sah' ihn einmahl freundlich an,
Und fragte, was er meynte;
Da fiel der junge schöne Mann
Mir um den Hals, und weinte.
Das hatte Niemand noch gethan;
Doch war's mir
nicht zuwieder,
Und meine beyden Augen sahn
In meinen
Busen nieder.
Ich sagt' ihm nicht ein einzig
Wort,
Als ob ichs übel nähme,
Kein einzigs, und - er flohe fort;
Wenn er doch wieder käme!