Prometheus

Franz Peter Schubert

Bedecke deinen Himmel, Zeus

Mit Wolkendunst,

Und übe, dem Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An

Eichen dich und Bergeshöhn;

Mußt mir meine Erde

Doch lassen stehn,

Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Gluth

Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Aermeres

Unter der Sonn', als euch, Götter!

Ihr nähret

kümmerlich

Von

Opfersteuern

Und

Gebetshauch

Eure Majestät,

Und

darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Thoren.

Da ich ein Kind war,

Nicht wußte wo aus noch ein,

Kehrt' ich mein verirrtes Auge

Zur Sonne, als wenn drüber wär'

Ein Ohr, zu hören meine Klage,

Ein Herz, wie mein's,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir

Wider der Titanen Uebermuth?

Wer rettete vom Tode mich,

Von Sklaverey?

Hast du nicht Alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Thränen gestillet

Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehen,

Weil nicht alle

Blüthenträume reiften?

Hier sitz' ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sey,

Zu leiden, zu weinen,

Zu genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich!