Romanze des Richard Löwenherz

Schubert, Franz

Großer Thaten that der Ritter

Fern im heil'gen Lande viel,

Und das Kreuz auf seiner Schulter

Bleicht' im rauhen Schlachtgewühl.

Manche Narb' auf seinem Schilde

Trug er aus dem Kampfgefilde,

An der Dame Fenster dicht

Sang er so im Mondenlicht:

Heil der Schönen! aus der Ferne

Ist der Ritter heimgekehrt,

Doch nichts durft' er mit sich nehmen,

Als sein treues Roß und Schwert:

Seine Lanze, seine Sporen,

Sind allein ihm unverloren,

Dieß ist all sein irdisch Glück,

Dieß und Thekla's Liebesblick! -

Heil der Schönen! was der Ritter

That, verdankt er ihrer Gunst,

Darum soll ihr Lob verkünden

Stets des Minstrels süße Kunst!

»Seht, das ist sie,« wird es heißen,

Wenn sie ihre Schöne preisen,

»Deren Augen Himmelsglanz

Gab bei Ascalon den Kranz!«

»Schaut ihr Lächeln! Fünfzig Männer

Streckt' es leblos in den Staub!

Und Iconium, ob sein Sultan

Muthig stritt, ward ihm zum Raub!

Diese Locken, wie sie golden

Schwimmen um die Brust der Holden,

Legten manchem Muselmann

Fesseln unzerreißbar an!« -

Heil der Schönen! dir gehöret,

Holde, was dein Ritter that -

Öffne darum ihm die Pforte,

Nachtluft streift, die Stund' ist spat!

Dort in Syriens heißen Zonen

Mußt' er leicht des Nords entwohnen!

Lieb' ersticke jetzt die Scham,

Weil von ihr der Ruhm dir kam!