Sängers Morgenlied

Franz Peter Schubert

Süßes Licht! Aus goldnen

Pforten

Brichst du siegend

durch die Nacht.

Schöner Tag! Du bist erwacht.

Mit geheimnißvollen Worten,

In melodischen Accorden,

Grüß' ich deine Rosenpracht!

Ach! der Liebe sanftes Wehen

Schwellt mir das bewegte Herz,

Sanft, wie ein geliebter Schmerz.

Dürft' ich nur in

goldnen Höhen,

Mich im Morgenduft ergehen!

Sehnsucht zieht mich himmelwärts.

Und der Seele kühnes Streben

Trägt im stolzen Riesen-Lauf

Durch die Wolken mich hinauf. -

Doch mit sanftem Geisterbeben

Dringt das Lied ins inn're Leben,

Löst den Sturm melodisch auf.

Vor den Augen wird es helle;

Freundlich auf der zarten Spur

Weht der Einklang der Natur,

Und begeistert rauscht die Quelle,

Munter tanzt die flücht'ge Welle

Durch des Morgens stille Flur.

Und von süßer Lust durchdrungen

Webt sich zarte Harmonie

Durch des Lebens Poesie,

Was die Seele tief durchklungen,

Was berauscht der Mund gesungen,

Glüht in hoher Melodie.

Des Gesanges muntern Söhnen

Weicht im Leben jeder Schmerz,

Und nur Liebe schwellt ihr Herz.

In des Liedes heil'gen Tönen,

Und im Morgenglanz des Schönen

Fliegt die Seele himmelwärts.