Shilric und Vinvela

Schubert, Franz

Vinvela:

Mein Geliebter ist ein Sohn des Hügels;

er verfolgt die fliehenden Hirsche;

seine grauen Doggen schnauben um ihn;

die Senn seines Bogens schwirrt in dem Wind.

Ruhst du bey der Quelle des Felsen,

oder beym Rauschen des Bergstroms?

Der Schilf neigt sich im Wind,

der Nebel fliegt über den Hügel;

ich will mich ungesehn ihm nahn;

ich will ihn betrachten vom Felsen herab.

Sah ich dich zuerst liebreich

bei der veralteten Eiche von Branno;

schlank kehrtest du vom Jagen zurück,

unter allen deinen Freunden der schönste.

Shilric:

Was ists für eine Stimme, die ich höre?

Sie gleicht dem Hauche des Sommers!

Ich sitz nicht beim neigenden Schilfe;

ich hör nicht die Quelle des Felsen.

Ferne, ferne Vinvela,

geh ich zu den Kriegen von Fingal:

Meine Doggen begleiten mich nicht;

ich trete nicht mehr auf den Hügel.

Ich seh dich nicht mehr von der Höhe,

zierlich schreitend beym Strome der Fläche;

schimmernd, wie der Bogen des Himmels;

wie der Mond auf der westlichen Welle.

Vinvela:

So bist du gegangen, o Shilric!

ich bin allein auf dem Hügel!

man sieht die Hirsche am Rande des Gipfels,

sie grasen furchtlos hinweg;

sie fürchten die Winde nicht mehr;

nicht mehr den brausenden Baum.

Der Jäger ist weit in der Ferne;

er ist im Felde der Gräber.

Ihr Fremden! ihr Söhne der Wellen!

schont meines liebreichen Shilric!

Shilric:

Wenn ich im Felde muß fallen,

heb hoch, o Vinvela, mein Grab.

Graue Steine, und ein Hügel von Erde;

sollen mich, bey der Nachwelt bezeichnen.

Wenn der Jäger bey dem Haufen wird sitzen,

wenn er zu Mittag seine Speise geneußt,

wird er sagen: »Ein Krieger ruht hier,«

und mein Ruhm soll leben in seinem Lob.

Erinnere dich meiner, Vinvela,

wenn ich auf der Erde erlieg!

Vinvela:

Ja! ich werd mich deiner erinnern;

ach! mein Shilric wird fallen!

Mein Geliebter! was soll ich thun,

wenn du auf ewig vergiengst?

Ich werd diese Hügel im Mittag durchstreichen:

die schweigende Heyde durchgehn.

Dort werd ich den Platz deiner Ruh,

wenn du von der Jagd zurückkehrtest, beschaun.

Ach! mein Shilric wird fallen;

aber ich werd meines Shilrics gedenken.