Sonett I
Schubert, Franz
Apollo, lebet noch dein hold Verlangen,
Das an Thessal'scher Flut die blonden Haare
In dir entflammt, und ists im Lauf der Jahre
Nicht unter in Vergessenheit gegangen:
Vor Frost und Nebeln, welche feindlich hangen,
So lang' sich uns dein Antlitz birgt, das klare,
Jetzt dies geehrte heil'ge Laub bewahre,
Wo du zuerst und ich dann ward gefangen.
Und durch die Kraft von dem verliebten Hoffen,
Das in der Jugend dich nicht ließ vergehen,
Laß, von dem Druck befreyt, die Luft erwarmen.
So werden wir, von Staunen froh getroffen,
Im Grünen uns're Herrin sitzen sehen,
Und sich beschatten mit den eignen Armen.