Szene aus Faust

Franz Peter Schubert

Dom. Amt, Orgel und Gesang. Gretchen unter

vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.

Böser Geist

Wie anders, Gretchen, war dir's,

Als du noch voll Unschuld

Hier

zum Altar trat'st,

Aus dem vergriffnen Büchelchen

Gebete lalltest,

Halb Kinderspiele,

Halb Gott im Herzen!

Gretchen!

Wo steht dein Kopf?

In deinem Herzen,

Welche Missethat?

Bet'st du für deiner Mutter Seele, die

Durch dich zur langen, langen Pein hinüberschlief?

Auf deiner Schwelle wessen Blut?

- Und unter deinem Herzen

Regt sich's nicht quillend schon,

Und ängstet

dich und sich

Mit ahnungsvoller Gegenwart?

Gretchen

Weh! Weh!

Wär' ich der Gedanken los,

Die mir herüber und hinüber gehen

Wider mich!

Chor

Dies irae, dies illa

Solvet saeclum in favilla.

Böser Geist

Grimm faßt dich!

Die Posaune tönt!

Die Gräber beben!

Und dein Herz,

Aus Aschenruh'

Zu Flammenqualen

Wieder aufgeschaffen

Bebt auf!

Gretchen

Wär' ich hier weg!

Mir ist als ob die Orgel mir

Den Athem versetzte,

Gesang mein Herz

Im Tiefsten lös'te.

Chor

Judex ergo cum sedebit,

Quidquid latet adparebit,

Nil inultum remanebit.

Gretchen

Mir wird so eng!

Die Mauern-Pfeiler

Befangen mich!

Das Gewölbe

Drängt mich! - Luft!

Böser Geist

Verbirg dich! Sünd' und Schande

Bleibt nicht verborgen.

Luft? Licht?

Weh

dir!

Chor

Quid sum miser tunc dicturus?

Quem patronum rogaturus?

Cum vix justus sit securus.

Böser Geist

Ihr Antlitz wenden

Verklärte von dir ab.

Die Hände dir zu reichen,

Schauert's

den Reinen.

Weh!

Chor

Quid sum miser tunc dicturus?

Gretchen

Nachbarin! Euer Fläschchen! --

Sie fällt in Ohnmacht.