Totengräber-Weise

Schubert, Franz

Nicht so düster und so bleich

Schläfer in der Truhe,

[Wohnest nun im stillen Reich

Gottgeweihter Ruhe!]

Wird der Leib des Wurmes Raub

Und ein Spiel den Winden -

Muß das Herz selbst noch als Staub,

Leben und empfinden.

Jetzt beginnet dein Gericht:

Gleichend deinem Leben

Werden dunkel oder licht

Träume dich umschweben.

Jeder Laut, der dich verklagt

Als den Quell der Schmerzen,

Wird ein scharfer Dolch und nagt

Sich zu deinem Herzen.

Doch der Liebe Thränenthau,

Der dein Grab besprühet:

Färbt sich an des Himmels Blau,

Knospet auf und blühet.

Im Gesange lebt der Held,

Und zu seinem Ruhme

Brennet hoch im Sternenfeld

Eine Feuerblume.

Schlafe bis der Engel ruft

Bis Posaunen klingen,

Und die Leiber sich der Gruft

Jugendlich entschwingen!