Trauer der Liebe

Schubert, Franz

Wo die Taub' in stillen Buchen

Ihren Tauber sich erwählt,

Wo sich Nachtigallen suchen,

Und die Rebe sich vermählt;

Wo die Bäche sich vereinen,

Gieng ich oft mit leichtem Scherz,

Gieng ich oft mit bangem Weinen;

Suchte mir ein liebend Herz.

O, da gab die finstre Laube

Leisen Trost im Abendschein;

O, da kam ein süßer Glaube

Mit dem Morgenglanz im Hain;

Da vernahm ichs in den Winden;

Ihr Geflüster lehrte mich:

Daß ich suchen sollt', und finden,

Finden, holde Liebe! dich.

Aber ach! wo blieb auf Erden,

Holde Liebe, deine Spur?

Lieben, um geliebt zu werden,

Ist das Loos der Engel nur.

Statt der Wonne, fand ich Schmerzen,

Hieng an dem was mich verließ;

Frieden giebt den treuen Herzen

Nur ein künftig Paradieß.