Viel tausend Sterne prangen

Schubert, Franz

Viel tausend Sterne prangen

am Himmel still und schön,

und wecken mein Verlangen,

hinaus ins Feld zu gehn.

O, ewig schöne Sterne,

in ewig gleichem Lauf,

wie blick' ich stets so gerne

zu eurem Glanz hinauf! -

Doch horch! was schallt für ein Ton in mein Ohr!

Doch sieh! was hebt für ein Licht sich empor!

Was fliegen gen Himmel für leuchtende Flammen!

Was schlagen für kämpfende Gluthen zusammen!

Was sprühen für glühende Funken umher!

Was saust in der Luft für ein brausendes Wehr!

Ein prachtvoll künstliches Spiel ist begonnen:

es drehen im Kreise sich stralende Sonnen!

es leuchten, wie Monde, in silberner Pracht

hellglänzende Kugeln im Dunkel der Nacht;

es wachsen, in wunderbar wechselnden Farben,

aus kaltem Boden viel feurige Garben;

es schleudern die Schwärmer, in taumelnder Wuth,

nach allen Seiten die donnernde Gluth;

es zischen und rasen empor die Raketen,

zu löschen den schimmernden Schweif des Kometen,

die stolzaufgerichteten Schlagen, sie spei'n

hellloderndes Feu'r in den Himmel hinein,

und zitternd kommen dann Heere von Funken,

wie fallende Sterne, zur Erde gesunken.

Und wechselnd wecken den Wiederhall

Kanonendonner und Paukenschall,

und laut in die ernsten und lustigen Klänge

ertönt das Jauchzen der staunenden Menge.

Am Himmel das siegend beschämte Heer

der schweigenden Sterne sieht Niemand mehr!

Doch, stolz auf errungenen Lorbeer, schreitet

der Künstler daher, der das alles bereitet;

und Tausende huldigen, frank und frei,

dem Helden des Tages mit Jubelgeschrei. -

Aber aus ist schnell das schöne

angestaunte Feuerspiel;

stumm sind schon die Jubeltöne;

kurz war dieses Jubels Ziel.

Und der Held, der stolz entzündet

tausend heller Flammen Pracht,

geht von dannen, und verschwindet

still im Dunkel stiller Nacht.

Von den stolzen Meteoren

nirgends mehr die kleinste Spur,

denn ein flüchtges Spiel der Horen

war ihr flüchtger Schimmer nur.

Aber hell in dunkler Ferne -

nur beschämt von eitlem Wahn -

ziehn die ewig schönen Sterne

unverändert ihre Bahn.

Ihrer schönen Stralenkronen

unerreichte, stille Pracht

wird, wie heute, nach Aeonen

leuchten noch in dunkler Nacht.

Und in ihren Schimmer treten

wird noch dann des Staubes Sohn,

um entzückt hinauf zu beten

zu des ewgen Geistes Thron.

Erd' und Himmelspracht verkünden:

"Alles Menschenwerk vergeht!

Held und Meteor verschwinden!

Nur, was göttlich ist, besteht!"