Vor meiner Wiege

Franz Peter Schubert

Das also, das ist der enge Schrein,

Da lag ich in Windeln als Kind darein?

Da lag ich gebrechlich, hülflos

und stumm,

Und zog nur zum Weinen die Lippen krumm.

Ich konnte nichts fassen mit Händchen zart,

Und war doch gebunden nach Schelmenart

Ich hatte Füßchen, und lag doch wie lahm,

Bis Mutter an ihre Brust mich nahm.

Dann lachte ich saugend

zu ihr empor,

Sie sang mir von Rosen und Engeln vor.

Sie sang und sie wiegte mich singend in Ruh',

Und küßte mir liebend die Augen zu.

Sie spannte aus [Seide gar dämmerig-grün,

Ein kühliges Zelt hoch über mich hin;]

Wann find ich nun

wieder solch friedlich Gemach?

Vielleicht, wenn das grüne Gras mein Dach.

O Mutter! lieb Mutter, bleib' lange noch hier;

Wer sänge dann tröstlich von Engeln mir?

Wer küßte mir liebend die Augen zu

Zur langen, zur letzten und

tiefesten Ruh'?