Waldes-Nacht

Schubert, Franz

Windesrauschen, Gottes Flügel,

Tief in kühler Waldesnacht;

Wie der Held in Rosses Bügel,

Dringt heran der Stürme Macht;

Wie die alten Tannen brausen,

Hörst die Windesbraut du sausen.

Wie die Flammenblitze schießen

Durch der Tannenwipfel Grün!

Und von ihren Feuerküssen

Stürzt versengt die Eiche hin;

Rasch die Flamme zuckt und lodert,

Wie zu Gott hinauf gefodert.

Horch! hinab in's Thal zu lauschen

Will's dir winken niederwärts;

Dort verborg'ner Quellen Rauschen

Schlägt dir lockend an das Herz;

Luftig kommt die Schaar gezogen,

Die dich locket in die Wogen.

Vor den Elfen laß dich warnen,

Die dir winken in den Grund,

Dich mit Liebesreiz umgarnen

Und mit Sang aus süssem Mund.

Schmeichlerischer Lüfte Wehen

Fühlst du durch die Seele gehen.

Geisterschlingen zu entgehen,

Hilft dir nur des Sturmes Macht,

Windesrauschen, Gottes Flügel,

Tief in kühler Waldesnacht,

Sprengst du mit verhängtem Zügel

Durch die schwarze Wetternacht,

Hörst in Lüften ohne Grausen

Du den Sang der Geister sausen.