Was preis' ich am höchsten im Vaterland

G. Behrens-Senegalden

Was preis' ich am höchsten im Vaterland?

Der herrlichen Ströme blaublitzendes Band?

Der Wälder grüngoldige Schattennacht?

Der mächtigen Dome ehrwürdige Pracht?

Die blühenden Städte, die lachenden Au'n?

Die sittige Anmuth der lieblichen Frau'n?

Die Kraft deiner Männer in blitzender Wehr?

Dein schlachtenerprobtes, dein siegreiches Heer?

Die Helden, die frisch noch der Lorbeer umkränzt?

Die Thaten der Väter, vom Nachruhm umglänzt?

Das Wort deiner Denker, so licht und so stark?

Das Lied deiner Sänger voll Schönheit und Mark?

Wohl pocht mir in wonnigem Stolze die Brust,

Wohl quillt mir das Auge in feuriger Lust,

Gedenk' ich des Grossen, des Herrlichen all',

Und preis' es und sing' es mit jubelndem Schall.

Doch rühm' ich, doch preis' ich vor Allem mir Eins,

Ein Kleinod, so köstlich, so herrlich wie keins!

Dich mein' ich, mein treues, mein deutsches Gemüth,

Im Schutze des heimischen Herdes erblüht!

Dich Seele voll Hochschwung, voll sinniger Art,

Die göttliche Tiefe mit Kindessinn paart;

Und preist dich nicht Lorbeer, nicht Marmor und Erz,

Dich preis' ich, dich rühm' ich, deutsch' inniges Herz!