Der Sklave

G. Flaschner von Ruhberg

Bei meinem lieben Topf voll Reis,

Verschmaus' ich, Sklav des großen Dei's,

Der Freiheit Last und Kummer.

Von Ketten lieblich eingeklirrt,

Schlaf' ich, bis früh die Peitsche schwirrt,

Der Arbeit süßen Schlummer.

Zwar schnaubt mein Dei: Du Christenhund!

Und geißelt mir den Rücken wund,

Durch seine gelben Teufel:

Doch jeder hat so seinen Tick;

Und ich verwette mein Genick,

Gut meint er's ohne Zweifel!

Wenn ihr nur seinen Tick nicht reizt,

Und stets ihm vor der Nase kreuzt,

Maltesische Verschwörer!

Der Christen Freiheit rächet ihr?

Bei Mahmuds Bart! das fühlen wir!

Ihr seid nur Friedensstörer!

Quecksilber hat der Narr im Kopf,

Der nicht mit Lust bei deinem Topf,

Korsarenvater, bleibet!

Du bist ja Herr, und wir sind Knecht'!

Das wollte Gott und Völkerrecht!

Ein Meuter, wer sich sträubet!

Daß mondbeherrschend der Planet

Sich um die Herrschersonne dreht,

Was ist's, als Recht des Stärkern?

Rings herrscht ja dies Naturgesetz

Mit Klau' und Zahn, mit Schwert und Netz,

Mit Maulkorb, Zaum und Kerkern!

Das Vaterland? Was Vaterland!

Der Topf, der Topf ist Vaterland!

Das übrige sind Fratzen!

Da sollt' ich mich dem wilden Meer

Und Sturm vertraun, und hinterher

Um Brot die Ohren kratzen?

Bei meinem lieben Topf voll Reis,

Genieß' ich, Sklav des großen Dei's,

Sorglose stille Freuden!

Und wenn ich einst bei Laune bin,

So geh' ich zu dem Mufti hin,

Und lasse mich beschneiden!