Der Verbannte

G. Frumerie

Oft stand ich einsam auf dem Festungsturme

Des kahlen Berges. Dort, den Wolken nahe,

Stand ich und sah die rote Sonne gehn.

Und wenn die Sterne kamen, suchte ich

An ihren Bildern mir die Richtung, wo

Die schöne, ferne, bunte Haupstadt lag.

Da lug ich sehnend aus, indes sich Herz

Und Ohr entsetzen beim Geschrei der Affen,

Und niemals, wusst ich, kehrete ich nach Haus...

Einst war ich der geliebte Freund der Götter!

In Glanz und Schönheit strahlte meine Wohnung,

Und wo ich ging, lag Weihrauch in der Luft.

Einst schlief ich nachts auf seidenen Geflechten. --

Jetzt steh ich schlaflos hinter Festungszinnen,

Der schrille Pfiff der Wachen quält mein Ohr.

Ich blicke wie im Traume auf die Sträucher

Der Felsenwand, darauf der Vollmond flimmert. --

Das ganze Leben seh ich wie im Traum.

Tief unten dämmern in dem halben Lichte

Der Nacht die Inseln. Blasses Schilf des Herbstes

Umblüht sie. Es ist Herbst, o, meine Seele!