Gebet

G. Göhler

Mein Heiland, mein Heiland!

Sieh, rein ist mein Glaube,

Wie Glut des Gebetes;

Doch, Herr, auch dem Glauben

Ist dunkel das Grab!...

Was beut mir Ersatz einst

Für Ohren und Augen -

Das glühende Fühlen

Des sterbenden Herzens?

Was - ohne dies Herz - ist

Das Leben des Geistes?...

Auf Kreuz und auf Grab, wie

Auf Himmel und Erde,

Vom Anfang der Schöpfung

Bis zu ihrem Ausgang,

Hast Du, o Allmächt'ger,

Den Schleier geworfen,

Dein Siegel gedrückt -

Dein ewiges Siegel.

Die Welt mag zertrümmern,

Dein Siegel zerreißt nicht,

Kein Feuer verbrennt es,

Kein Wasser erweicht's.

Verzeih' mir, mein Heiland,

Daß meinem Gebete

Einfloß eine Thräne:

Sie leuchtet im Dunkeln

Von Liebe zu Dir.