Ach, nun sind es schon zwei Tage

G. Henschel

Ach, nun sind es schon zwei Tage,

Daß ich ihn zuerst geküßt,

Und seit jener bösen Stunde

Alles wie verzaubert ist.

Meine Stube, drin so zierlich

Und so nett ich einst gehaust,

Steht in wirrem Durcheinander,

Daß mir vor mir selber graust.

Meine Rosen, meine Nelken,

Schauen welk und traurig drein,

Ach, ich glaub', ich goß seit gestern

Statt mit Wasser sie mit Wein.

Meine gute weiße Taube

Hat kein Futter, hat kein Brot,

Und der brave Distelfink liegt

In dem Käfig schon halbtot.

Und mit blau und weißer Wolle

Ist am weißen Netz gestrickt,

Und mit weißem Garn ist in die

Bunte Stickerei gestickt.

Und wo sind die schönen Bücher,

Parzival und Theuerdank?

Glaub' beinah', ich warf die guten

Sänger in den Küchenschrank.

Und die Küchenteller stehen

Auf dem schmalen Bücherpult,

-- Ach, an all dem großen Unglück

Ist die Lieb', die Liebe schuld!