Stille
G. Rauchenecker
In des Waldes jungem Haine
Steh' ich sinnend oft alleine
An dem kühlen Silberbach;
Und ich seh' die Wellen ziehen,
Leis' an mir vorüberfliehen,
Und ich seh' ihr träumend nach.
Ruhig, wie des Baches Welle,
Wie ihr Spiegel, rein und helle,
Lebt's im Busen, licht und wahr;
Wo vordem es heiß gestürmet,
Wogen aus dem Grund gethürmet,
Glänzt der Himmel mild und klar.
Du, mein Auge, blickest heiter
In die Welt, und immer weiter
Rankt empor der frische Muth;
Leise, nach des Baches Weise,
In der Unschuld süßem Gleise
Rieselt hin das kühle Blut.
O Natur, du hehre, milde,
Glich' ich deinem hohen Bilde
In des Lenzes Zauberschein!
In das heil'ge Waldesschweigen
Will zu dir empor ich steigen,
Und bei dir alleine sein!
Hier, wo sacht die Wellen rauschen,
Will ich mit dem Vogel lauschen
Deiner Stimme weichem Klang;
Hören in des Windes Wehen
Gottes leise Tritte gehen
Durch den grünen Schattengang.