Trost eines guten Gewissens auf dem Krankenbette
G. Reichardt
Gewissensruh! Bewußtsein reines Herzens!
Wie viel vermagst du nicht, o seliges Gefühl!
Machst milder mir das Peinliche des Schmerzens,
Erträglicher der Krankheit wild Gewühl.
Gott! dies Gefühl, das soll mir niemand rauben,
So recht zum Trost des Leidenden gemacht;
Es mehrt Standhaftigkeit, stärkt meinen schwachen Glauben,
Gibt Trost und Ruh' in dunkler Leidensnacht.
Was wär ich, Gott! wenn, bei so herbem Dulden
Des Leibes, ich nicht Seelenruh empfänd'? --
Wie der, den das Gefühl von seinen Schulden
Mit Recht den Schöpfer seiner Qualen nennt.
Zwar weiß ich wohl, groß ist der Fehler Menge,
Die ich in Schwachheit stündlich noch begeh',
Doch, Gott, du weißt's, die Schranken sind zu enge,
Worin in dieser Welt ich ganz beklommen steh'.
Nicht hier, erst dort soll ich vollkommen werden,
Dort, wo nicht mehr des Körpers Bürde drückt;
Dort -- wenn mich einst dein Ruf, von den Beschwerden
Der Erde frei, in jene Welt entrückt!
Dort werd' ich dann vollkommen dich verehren,
Mit Engelzungen preisen deinen Rath,
Der, um Geduld und Frömmigkeit zu mehren,
Der Krankheit Pein für mich beschlossen hat.