Mondbesuch
G. von Einem
Der Spiegel rief den Mond herein,
so möge unser Gast er sein.
Nimm Platz, vertrauter Leuchtgesell,
und mach das Herz der Stube hell.
Das Herz der Stube, das sind wir,
sei wohlgesinnt uns wie wir dir.
Sitz hin im Sessel, ruhsam breit,
gönn dir ein Erden weilchen Zeit,
und halte mit beim Abendwein,
den wir den sanften Menschen weihn.
(O seht, - wo seine Lippe lag,
das Glas hat silbernen Beschlag!)
Ein Körnchen Mohn wirf in den Trunk,
dann macht der Schlaf uns tief und jung.
Doch laß die Seele unverwirrt,
genug, daß sie den Tag durchirrt.
Die Bücher segne und das Brot,
ist eins uns wie das andre Not.
Nun geht er schon, sein Weg ist weit,
und zugemessen ihm die Zeit.
Vorm Fenster raschelt Nachtgetier,
der Spiegel träumt, bald träumen wir.