Die Tulpen heben ihre Kelche

G. von Einem

Die Tulpen heben ihre Kelche

mit keckem Sinn zum Himmel auf:

sie wollen Wein zu trinken haben.

Der Ostwind streift verliebten Sinnes

der Rosenblüten junge Busen,

daß ganz sie aus den Miedern quellen.

Durch diese edeln Spießgesellen

wird meine Tugend nicht gefördert:

sie ziehn mich in den Sündenpfuhl!

O Freunde! seid des Schönen,

Reinen und Unverfälschten stets beflissen,

rein sei der Wein auch, den ihr trinket.

Und wenn ich einmal tot bin,

scharrt mich nicht in die trostlos dumpfe Erde,

tragt mich in einen duftigen Keller,

begrabt mich in ein Faß voll Wein.