Entdeckung an einer jungen Frau

G. von Einem

Des Morgens nüchterner Abschied, eine Frau

kühl zwischen Tür und Angel, kühl besehn.

Da sah ich: eine Strähne in ihrem Haar war grau

ich konnt mich nicht entschliessen mehr zu gehn.

Stumm, stumm nahm ich ihre Brust, und als sie fragte

warum ich Nachtgast nach Verlauf der Nacht

nicht gehen wolle, denn so war's gedacht,

sah ich sie unumwunden an und sagte:

ist's nur noch eine Nacht, will ich noch bleiben.

Doch nütze deine Zeit; Das ist das Schlimme,

daß du so zwischen Tür und Angel stehst.

Und laß uns die Gespräche rascher treiben,

denn wir vergassen ganz, daß du vergehst.

Und es verschlug Begierde meine Stimme.