Golgatha

H. Distler

Evangelist:

Und sie banden Jesum und führeten ihn dahin; und er trug sein Kreuz,

hinaus zur Stätte, die da heißet Golgatha. Allda kreuzigten sie ihn

und mit ihm zween Mörder. Pilatus aber schrieb eine Überschrift und

setzte sie auf das Kreuz: Jesus von Nazareth, der Juden König!

Und die vorübergingen schalten ihn. Auch der Übeltäter einer,

die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach:

Schächer:

„Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen!

Bist du Christus, so hilf dir selber und uns!“

Evangelist:

Desgleichen auch die Hohenpriester spotteten seiner samt

den Schriftgelehrten und Ältesten:

Chor Nr. 20

„Er hat Gott vertrauet:

der, der erlöse ihn nun!

So steige er nur vom Kreuz,

ist er der König von Israel!“

Evangelist:

Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter

und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib,

und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe

und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte,

spricht er zu seiner Mutter:

Jesus:

„Weib, siehe, siehe, das ist dein Sohn!“

Evangelist:

und zu dem Jünger:

Jesus:

„Siehe, das ist deine Mutter!“

Evangelist:

Und in der neunten Stunde schrie Jesus laut:

Jesus:

„Mein Gott, mein Gott, warum, warum, warum hast du mich verlassen?“

Evangelist:

Darnach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war,

daß die Schrift erfüllet sei, spricht er:

Jesus:

„Mich dürstet.“

Evangelist:

Und sie fülleten einen Schwamm mit Essig.

Da ihn Jesus genommen hatte, schrie er abermal laut,

und neigte sein Haupt und verschied.

Choral 8. Vers

Jesu, dir sei ewig Lob,

der du uns erlöset,

Gott uns hast versöhnet!

All dein Lieb, dein göttlich Kraft

ließ uns nicht verderben;

trug fürwahr ein schwere Last:

für sein Feind zu sterben.

Jesu, dir sei ewig Lob!