Auf der Wanderschaft
H. Esser
Ein traurig Wandern ist's fürwahr
Das einst so fröhlich schien;
Bald lieg' ich auf der Todtenbahr'
Und du -- wirst weiter ziehn.
Nun es mit mir zu Ende geht,
Du freundlicher Cumpan,
Trag' mich hinaus zum Blumenbeet
Allwo wir Veilchen sahn.
Die fromme Wirthin duldet's gern
Daß dort mein Herz verschlägt;
Sie hat 'nen Sohn in weiter Fern',
Der auch das Ränzel trägt.
Trag' mich hinaus, das Abendroth
Umflut' mir Stirn und Wang',
Dann schleichet nicht der blasse Tod
Zum Herzen trüb und bang.
Dann lächeln wir die Blumen zu
Daß bald auch sie vergehn,
Dann küßt mich sanfte Himmelsruh
Im linden Abendwehn.
Dann lichten die Gedanken sich,
Vom Sternenschein beglänzt;
O Sterben ist nicht schauerlich
Wenn dich der Tod bekränzt!
Wenn Veilchen dir zur Seite blühn,
Und hold der Epheu nickt,
Und süß Nacht mit stillem Glühn
Auf dich herunterblickt!