Blume und Sonnenstrahl

H. Esser

In des Frühlings erstem Stral

Regt sich die Lieb in Berg und Thal,

Wird es so wol der Blume im Feld,

Daß sie blühend dem Stral sich vermält.

Und der Himmel die Sonnenbraut

Freudig mit Perlenschmuck bethaut,

Flattert über die Blume hin

Wie ein seidener Baldachin.

Sendet der glühenden Blütenbrust

Seiner Lüftchen kosende Lust,

Und im stillen Dunkel der Nacht

Er sie mit Sternenaugen bewacht.

Und der liebende Sonnenstral

Kehrt am Morgen noch wärmer ins Thal,

Glüht noch heißer ins Feld hinein,

Stralt in die Blume mit Flammenschein.

Und die Blume in Flammenglut

Heiß in den glühenden Armen ruht,

Bis sie zerfließen im Thau der Nacht

Und die Lieb aus dem Monde lacht.