Scheiden im Frühling

H. Esser

Daß ich im Frühling scheiden soll,

Das macht das Herz mir schwer:

Ich wär' nicht halb so kummervoll,

Wenn's nur nicht Frühling wär'.

Allüberall ist Maienlust,

Hell klingen Thal und Hain,

Ach, und allein in meiner Brust

Wird's still und öde sein.

Wem soll ich klagen meine Pein?

Die Rose blüht so roth,

Die Lerche wirbelt aus und ein --

Wem klag' ich meine Noth?

Ach, soll's einmal geschieden sein,

So sei's in Winterzeit,

Da tragen Lerche, Flur und Hain

Mit mir dasselbe Leid.

Da klagen all' zusammen wir

Um Ein entschwunden Glück,

Und alle träumen sie mit mir

Von neuem Sonnenblick.

Und wenn die Rosen wieder blühn,

Kehrt auch der Liebste dein;

Drum nicht im Frühling laß mich ziehn,

Im Winter soll es sein!