Und hätt' ich des Frühlings gewinnenden Blick

H. Esser

Und hätt' ich des Frühlings gewinnenden Blick,

Mit all seinem Glanz und Schein,

Und göß ich auch tausendfältiges Glück

In tausend Herzen hinein:

Ich gäb' es dahin,

Denn mein ganzer Sinn

Hegt ein süßeres holderes Glück!

Und hätt' ich der Wolke geflügelten Schritt,

Und flög' über Land und Meer,

Und brächt' auf der Stürme gewaltigem Ritt

Die Schauer des Segens daher:

Ach wie lang, wie lang

Ist der Wolke Gang,

Ich fliege voraus ihrem Schritt!

Was Frühlingsglanz und was Wolkenflug!

Was hab' ich an euch für Gewinn?

Ihr rauscht durch die Welten wie eitel Trug,

Kaum gekommen, so seid ihr dahin!

Ich weiß ein Gut,

Das giebt sel'geren Mut,

Und schöneren Segens Gewinn!

Im fernen Land des Gebirges weit

Denk ich an eine Rose zurück,

Meine Lieb ihre Lust, mein Sehnen ihr Leid,

Mein Gedanke ihr süßestes Glück!

Fliege hin, mein Herz,

Mein jubelndes Herz,

Zu der lieben, der holdesten Maid!