Und hast du je einmal geliebt
H. Esser
Und hast du je einmal geliebt,
Und weißt du, was für Seligkeiten
Die Liebe ihren Treuen giebt,
Bist du beglückt für alle Zeiten.
Es kann das Dornenreis der Pflicht
Die müden Schläfen dir zerwühlen,
Unglücklich aber kannst du nicht,
Nicht ganz verlassen je dich fühlen.
Von jedem Kummer, jeder Pein
Läßt dich Erinnerung genesen,
Und kannst du nicht mehr glücklich sein,
So weißt du doch, du bist's gewesen.
Wie tief im Wald ein Vogel singt,
Tönt dir ein tröstend Lied im Herzen,
Und was die Zeit nun immer bringt,
Mit Lächeln kannst du es verschmerzen:
Seitdem der Liebe Lust und Qual
Dein bebend Herz zuerst verspürte,
Seit ihres Heil'genscheines Strahl
Zuerst dein junges Haupt berührte.