Ein junger Mönch gar schön und frank

H. Hobrecht

Ein junger Mönch, gar schön und frank,

Der wollte ein Mägdlein minnen,

Da wußt' ihm das Kloster wenig Dank,

Er zog in der Nacht von hinnen.

Sie setzten ihm nach; er wich und wich

Bis an den frühen Morgen,

Schon sind sie ihm nah' -- da hat er sich

In meinem Gezweig verborgen.

Er sprach: Frau Linde, ist doch dein Blatt

Gleich einem Herzen gestaltet,

So gibst du auch dem wohl Ruhestatt,

Dem Minne im Herzen waltet!

Und drunten jagten die Reiter vorbei

Und schalten in lautem Grimme:

Den geben wir nimmer sein Lebtag frei,

Und dann -- verklang ihre Stimme.

Er sprach: weiß Gott, wo in weiter Welt

Ich noch mein Obdach finde --

Nun flink -- lebwohl, du grünes Gezelt,

Hab Dank, du getreue Linde!