Ha! noch einen ganzen Tag! - Ha! ha! welche Lust!
Marschner, Heinrich
Ha! Noch einen ganzen Tag!
Überlang ist diese Zeit!
Zwei Opfer sind mir schon geweiht
Und das dritte ist leicht gefunden.
Ha! welche Lust, aus schönen Augen
An blühender Brust,
neues Leben in wonnigem Beben,
mit einem Kusse in sich zu saugen!
Ha! welche Lust, in liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen, von purpurnen Lippen
schmeichelnd zu nippen!
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Und wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen:
Ha, ha, welch Ergötzen! Welche Lust!
Mit neuem Mut durchglüht mich ihr Blut;
Ihr Todesbeben ist frisches Leben!
Armes Liebchen, bleich wie Schnee,
tat dir wohl im Herzen weh!
Ach, einst fühlt' ich selbst die Schmerzen
ihrer Angst im warmen Herzen,
das der Himmel fühlend schuf.
Mahnt mich nicht in diesen Tönen,
die den Himmel frech verhöhnen,
Ich verstehe euren Ruf!
Ha, welche Lust!