Komische Arie aus der Oper „Der Kyffhäuser-Berg“

Marschner, Heinrich

Ja, nach dem verfluchten Berge

keuchend rollte ich mein Fass

über Wurzeln und Steine,

schund mir die Hände, stieß mir die Beine,

wurde in jeder Pfütze nass.

Endlich stand ich vor den Trümmern,

sah ein düst'res Lichtchen schimmern,

ging d'rauf los und schrie:

He, wer lohnt mir meine Müh?

Wo sind die vollen Kufen?

Als ich nun drei Mal gerufen:

Holla, holla, holla!

da klang es aus der Tiefe,

als wenn ein Uhu riefe:

Wer da? Wer da? Wer da?

Flugs gab ich zu erkennen,

Schenkwirt Jobst sei ich zu nennen,

suche hier im Ritterkeller

alten, echten Muskateller;

habe zu der süßen Fracht

auch ein leeres Fass gebracht.

Hu, da saust es,

hu, da braust es,

und mit Toben und mit Grimme

hör' ich eine Donnerstimme

in des Berges Tiefe schrei'n:

Knappen wahrt mein Kellerlein!

Plötzlich hat es um mich her

bald gerauscht und bald gepfiffen,

bald gebrummet wie ein Bär,

oben mich beim Schopf ergriffen,

unten mich gezwickt, gekniffen,

hier ein Stzoß in meinen Nacken,

dort ein Schlag auf meinen Backen,

wieder einer auf den Rücken,

mich erdrosselt zum Ersticken,

blau und grau der ganze Leib -

o verdammter Zeitvertreib!

Heulend bin ich fortgelaufen,

lachend von dem Geisterhaufen

convoyieret bis hieher -

Freunde, ach, ich kann nicht mehr!