An die schöne Müllerin
Marschner, Heinrich
Die Mühle wogt wohl Tag und Nacht,
Sie wogt in nichts als Liebe;
Lieb' hat die Räder in Schwung gefacht,
Die Lieb' ist ihr Getriebe;
Und in der Mühle die Müllerin,
Die Müllerin hat meinen Sinn
Bestrickt mit Liebesbanden.
O wenn ich doch das Rädlein wär,
So woll't ich Lieb' ihr sausen;
Und wär' ich der Mühlbach unterher,
So wollt' ich Lieb' ihr brausen.
Und wär' ich im Wasser der Wassermann,
Mit starkem Arm faßt' ich sie an,
Und zög' sie in mich hinunter.
Dort droben blinket ihr Kämmerlein,
Das stille Lämpchen zittert,
Die Fledermaus umkreiset den Schein,
Mir ist der Laden vergittert
Erschwinge dich, mein stiller Gedank,
Und schau' dich gesund, und schau' dich krank,
Schau', wie sie lächelnd entschlummert.
O küss' ihr sanft das Lächeln vom Mund
Mit deinen heißen Küssen,
Und flüster' ihr tief in den Herzensgrund
Was sie denn doch muß wissen,
Daß mir's im Herzen ist voll und warm,
Und wenn ich nicht ruh' in der Müllerin Arm,
So ruh' ich in ihren Wassern.