Klage der Heimathlosen

Marschner, Heinrich

Wie noch die muntere Gazelle

Auf Juda's Bergen hüpft,

Noch trinkt aus jeder klaren Quelle,

Die heil'ger Erd' entschlüpft;

Ihr helles Aug', ihr leichter Gang

Schweift noch in freyer Lust entlang!

So leichten Gang und hell're Augen

Sah einst Judäa dort;

Wo Geister todter Wonnen hauchen,

War schön bewohnt der Ort!

Die Ceder Libanons ragt hehr,

Die schlankern Jungfraun sind nicht mehr!

Die Palm' ist glücklicher im Lande,

Als Jakobs arm Geschlecht;

Denn wo sie schlug der Wurzel Bande,

Bleibt ihr der Heimath Recht.

Wo sie erwuchs, da will sie stehn,

Und nicht zu fremdem Boden gehn!

Wir dürfen keine Heimath haben,

Die Fremde gräbt uns ein;

Wo unsre Väter sind begraben,

Darf unser Grab nicht seyn!

Vom Tempel -- nichts steht mehr davon,

Und Spötter nahmen Salem's Thron!