Werner und Margaretha: Lind duftig hält die Maiennacht
H. Riedel
Werner:
Lindduftig hält die Maiennacht
Jetzt Berg und Thal umpfangen sic,
Da komm' ich durch die Büsche sacht
Zum Herrenschloß gegangen.
Im Garten rauscht der Lindenbaum,
Ich steig' in seine Äste,
Und singe aus dem grünen Raum
Hinauf zur hohen Feste:
"Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden,
Doch wer das Glück ihm angethan,
Das sagt er nicht mit Worten.
Das schließt sich nur in Töne ein!
Wie wunderschön ist's doch im Mai'n,
Feinslieb, ich thu' dich grüßen!"
Margaretha:
Im Wipfel hoch die Nachtigall
Stimmt ein mit süßem Schlagen,
Durch Berg und Thal wird weit der Schall,
Der Schall des Lied's getragen.
Drob schauen rings die Vögel auf,
Der Sang thät sie erwecken;
Bald schmettert laut der helle Hauf'
Aus Busch und Zweig und Hecken:
"Marg'retha ist die glückseligste Maid
Im römischen Reich geworden!
Doch wer das Glück ihr angethan,
Das sagt sie nicht mit Worten.
Das schließt sich nur in Töne ein!
Wie wunderschön ist's doch im Mai'n,
Feinslieb, ich thu dich grüßen!"
Werner:
Die Welle hört's,
Margaretha:
Die Welle bringt's
Werner:
Stromabwärts an die Häuser;
Margaretha:
Aus nebelgrauer Ferne klingt's
Werner:
Zurück mir leis' und leiser.
Werner und Margaretha:
Und oben hoch im Morgenduft
Seh ich zwei Engel fliegen,
Wie Harfenton kommt durch die Luft
Ihr Sang herabgestiegen:
"Marg'retha ist die glückseligste Maid,...
etc.
"Jung Werner ist der glückseligste Mann,...
etc.